Pressestimmen

Die VHS Salzgitter bietet einen Mobbing-Workshop an.

claaro MobbingDozent Hans-Jürgen Honsa sieht dafür ein großes Bedürfnis. Dem Mobbing-Report (2001) zu Folge hatte jeder 9. Arbeit- nehmer ein Mobbing-Geschehen zu verarbeiten. Auch Prof. Zapf (Frankfurt) hat schon 2010 festgestellt, dass bereits jeder 4. Arbeitnehmer durch ein Mobbing-Phänomen betroffen ist. „Mobbing existiert nach wie vor in den Betrieben. Die betroffenen ArbeitnehmerInnen aber auch die Betriebe leiden sehr darunter“, erklärt der Mobbing-Fachmann.

Jemand, der durch üble Nachrede, falsche Verdächtigungen, Verleumdungen, sozialer Ausgrenzung, sogar durch körper- liche Gewalt ständig in seinem Selbstwertgefühl verletzt wird, leistet nur einen Bruchteil dessen, was er für den Betrieb tun könnte. Aber auch der oder die Mobber verwenden ei- nen Großteil ihrer Arbeitszeit darauf, ihr Opfer zu demütigen. So werden Ressourcen für den Betrieb verschwendet. Durch Mobbing gehen der Deutschen Wirtschaft Ressourcen im Wert von rd. 100 Mrd. Euro verloren!…

Auszug aus einem Artikel der ehem. Drogenbeauftragten der Bundesregierung Sabine Bätzing

bätzing“(…) Für Verantwortliche im Bereich des öffentlichen Dienstes ist die inzwischen in der zweiten Auflage erschienene Publikation „Alkohol und Drogenmissbrauch im öffentlichen Dienst. Ursachen – Auswirkungen – Bekämpfungsstrategien“ von Hans-Jürgen Honsa zu empfehlen. Sie ist in sieben Kapitel aufgeteilt, die vom Allgemeinen wie der Entwicklung des Alkohol- und Drogenmissbrauchs, der individuellen Missbrauchsproblematik der Mitarbeiter und der Vorgesetzten im öffentlichen Dienst sowie von dem Problembewusstsein gegenüber dieser Thematik handeln. (…)”

plus Zum Artikel

Mobbing und sexuelle Belästigung im öffentlichen Dienst

Mobbing und Stalking kosten der Volkswirtschaft Millionen, von den psychischen Schäden ganz zu schweigen, die sich in Zahlen nicht messen lassen. Das Arbeitsrecht hat sich dieser Thematik inzwischen mit reichlicher Verspätung intensiv angenommen, wie die Veröffentlichungen einschlägiger Handbücher zeigen. Das vorliegende – sehr engagiert geschriebene – Buch konzentriert sich auf den öffentlichen Dienst, der von diesem psychischen Terror nicht ausgespart wird. Die Darstellung analysiert insbesondere die psychosozialen Grundlagen des Mobbing und jene Strukturen, die Mobbing hervorbringen. Beleuchtet werden dabei besonders die sich am Arbeitsplatz abspielenden Entsolidarisierungsmechanismen, die einhergehen mit einem zunehmenden Verlust der Achtung vor den Persönlichkeitsrechten des je anderen. Ungeachtet dessen, dass sich die Verfasser für einen speziellen Mobbingstraftatbestand aussprechen, sehen sie darin nicht die Lösung des Problems, dass in einer Veränderung der gesellschaftlichen Einstellung bestehen kann und fordern konsequent auch mehr Courage am Arbeitsplatz, gerade auch seitens der Arbeitnehmerinteressenvertretung. Sie legen auch offen, wie schwer sich die Recherchen zu diesem Buch gestaltet haben, da über diese Phänomene eine sehr weitreichendes Netz des Schweigens gebreitet wird. Im Vordergrund des Bandes steht weniger die juristisch – prozessuale Bewältigung als die Entwicklung effektiver praktischer Abwehrstrategien im öffentlichen Dienst.

Teil A behandelt Mobbing und sexuelle Belästigung als Killer der Betriebskultur und versucht die Phänomene begrifflich einzugrenzen. Sie schlagen dabei eine Brücke vom Mobbing zu Stalking und integrieren die sexuelle Belästigung in ihre interessante Darstellung. Teil B geht näher auf die Auswirkungen des Mobbings ein und beleuchtet insoweit auch die politischen und wirtschaftlichen Kosten. Teil C zeigt auf, was in Deutschland den öffentlichen Dienst ausmacht. Erfreulicherweise werden dabei die Kirchen ebenso einbezogen wie der privatisierte öffentliche Dienst ehemaliger Staatsunternehmen. Teil D behandelt sodann die Strukturen des Mobbings und der sexuellen Belästigung im öffentlichen Dienst unter Beachtung spezifischer Besonderheiten. Dargelegt werden hier die einschlägigen Rechtsgrundlagen sowohl unter verfassungsrechtlichen Vorzeichen als auch jeweils bezogen auf die Ausgestaltung des jeweiligen Dienstverhältnisse. Einbezogen sind insoweit auch Richter und Soldaten, jeweils mit konkreten Fallbeispielen aus der Praxis, die klar machen, dass es sich nicht um Einzelfälle handelt, die lediglich “hochgespielt” werden. Einbezogen werden aber auch etwa Aspekte des Schwerbehindertenrechts.

Im Teil E wird die Fürsorgepflicht des Dienstherrn näher analysiert. Hier sehen die Autoren einen maßgeblichen Ansatzpunkt zu einer Bekämpfung des Mobbings, nicht zuletzt durch Bestellung von Präventionsbeauftragten und unter Einbeziehung der Arbeitnehmerinteressenvertretung. Im Teil F gehen die Autoren auf mögliche persönliche Bekämpfungsstrategien ein, in der wohlweislichen Einsicht, dass in diesem Bereich das juristische Instrumentarium von durchaus begrenzter Reichweite sein kann und oftmals auch ist. Sie empfehlen zunächst einmal die Anlage eines Mobbing-Tagebuches, was auch unter beweisrechtlichen Aspekten zu empfehlen ist. Daneben setzen sie mit guten Gründen auf persönliche Netzwerke und Selbsthilfegruppen. Hinsichtlich der Rechtsberatung wird auf die Möglichkeiten der Inanspruchnahme eines gewerkschaftlichen Rechtsschutzes hingewiesen. Der sehr umfangreiche Teil G bietet eine der derzeit wohl besten Materialsammlungen zum Thema. Enthalten sind sowohl Fragebögen über das Bestehen von Mobbing, als auch ein Katalog von 45 Mobbinghandlungen, Muster für Dienstvereinbarungen, Dienstanweisungen, Leitfäden für Vorgesetzte, einschlägigen Gerichtsurteilen, Adresslisten und weiteren nützlichen Informationen.

Der Band dürfte die derzeit beste, praxisnahe Aufarbeitung der Jobkiller Mobbing und sexuelle Belästigung für den öffentlichen Dienst bieten, der sich insbesondere auch an Betroffene richtet.

Statement der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marion Caspers-Merk im Bundesministerium für Gesundheit “Die Sucht- und Drogenpolitik der Bundesregierung”

Zunächst einmal möchte ich mich bedanken, dass ich die Möglichkeit habe, Ihre diesjährige Fachtagung hier in Südbaden mit eröffnen zu können.Ich nutze die Gelegenheit gern, um mich einmal für Ihre wichtige Arbeit zu bedanken. Zum anderen möchte ich Ihnen die grundlegenden Zielsetzungen der Drogen- und Suchtpolitik der Regierung zu erläutern. Dass mittlerweile das zuständige Innenministerium Ihre Arbeit anerkennt und die Schirmherrschaft für Ihre Tagungen übernimmt, ist ein ermutigendes Zeichen, dass Sie mit Ihrem Anliegen ernst genommen werden.

In Ihrem eigenen Selbstverständnis haben Sie 1990 ja gewissermaßen einen “Tabubruch” begangen, als Sie Abhängigkeitserkrankungen innerhalb der Polizei zu Ihrem Thema gemacht haben und damit zu Beginn sicherlich nicht nur Unterstützung fanden. Aber Sie haben nicht länger die Augen davor verschlossen, dass es Suchtprobleme selbstverständlich in allen Kreisen der Bevölkerung gibt und dass dies für solche Berufsgruppen, die oft außergewöhnlichen Belastungen ausgesetzt sind, erst Recht gilt. Da aber die Polizei die Bürger gerade in Krisensituationen unterstützen soll und Gefahren abwehren muss, ist der Druck “zu funktionieren” natürlich besonders groß.

Wir können davon ausgehen, dass etwa jeder 7. Beschäftigte in Betrieben und in der Verwaltung Suchtprobleme, hauptsächlich mit Alkohol hat. Es hat aber bis 1988 gedauert, bis die „Kommunale Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsvereinfachung“ (KGSt) in Köln zum ersten Mal eine Handreichung zum Umgang mit dieser Problematik im öffentlichen Dienst entwickelt hat. Der Autor des sehr aufschlussreichen und engagierten Plädoyers für eine stärkere Sensibilität für die Suchtproblematik im öffentlichen Dienst Hans-Jürgen Honsa {Hans-Jürgen Honsa (2002): Alkohol- und Drogenmissbrauch im öffentlichen Dienst. Ursachen – Auswirkungen – Bekämpfungsstrategien; Erich-Schmidt-Verlag; Berlin} stellt zunächst fest, dass erst durch den Druck aus der Wirtschaft auch der öffentliche Dienst die Bedeutung dieser Thematik erkannt habe, um dann ein doch skeptisches Fazit zu ziehen: „Der Amtsschimmel reagierte erwartungsgemäß und routiniert; eben behördengemäß. Dienstanweisungen und Erlasse (…) folgten prompt. Kaum eine Verwaltung mit einer gewissen Bedeutung in der bundesdeutschen Behördenlandschaft, die keine solche Regelung für ihre Mitarbeiter hatte. Es schien, als würde sich der öffentliche Dienst Deutschlands an einem Wettbewerb mit dem Motto: ‚Unsere Verwaltung soll trockner werden!‘ beteiligen. Nach anfänglicher Euphorie und einem gewissen Aktionismus ist heute allerdings festzustellen, dass von dem Bewusstsein um die ständige Herausforderung Sucht am Arbeitsplatz leider nicht mehr viel übrig geblieben ist.“

Diese pessimistische Sicht rührt von geschilderten Erfahrungen von engagierten Helfern in der betrieblichen Suchtkrankenhilfe her, denen gewisse ‚Abnutzungserscheinungen‘ anzumerken sind. Hinzu kommen Sparzwänge im öffentlichen Dienst.

Meine Damen und Herren, so verständlich die Frustrationen nach langjährigen Erfahrungen mit der „Mühe der Ebene“ auch sein mögen, lassen Sie sich nicht davon anstecken. Denn natürlich braucht es eines langen Atems und der Kraft zum Bohren dicker Bretter, wenn die angemessene und fachlich qualifizierte Behandlung des Themas der Sucht im betrieblichen und behördlichen Alltags nicht zur Routine verkommen, sondern zur Selbstverständlichkeit werden soll.

Das ist allein schon aus volkswirtschaftlichen Gründen notwendig, wenn wir davon ausgehen, dass die durch eine Alkoholkrankheit entstehenden Kosten sich auf rund 20 Mrd. € belaufen. Alkoholkranke Mitarbeiter haben im Schnitt eine zwei- bis dreifach höhere Zahl von Krankheitstagen als der Durchschnitt der Belegschaft. Die KGSt hat modellhaft am Beispiel Dortmunds errechnet{KGSt-Bericht 1988; Nr. 8}, was es für die Kommune bedeutet, wenn 5 bis 7% der Mitarbeiter alkoholkrank sind und rund 5 bis 10 % als alkoholgefährdet gelten können. Rund 1-2% der gesamten Lohn- und Gehaltskosten würden verloren gehen, das sind für Dortmund schon rund 3,5 bis 4 Mio. €. Bei rund 5 Mio. Beschäftigten im öffentlichen Dienst zeigt sich die Gesamtdimension des Problems.

Schon aus diesem Grund müssen die öffentlichen Arbeitgeber ein verstärktes Interesse haben, Suchtprobleme offensiver zu thematisieren und Wege der rechtzeitigen Hilfen zu unterstützten.

Die andere Seite entsteht natürlich aus der sozialen Verpflichtung, suchtkranken Menschen zu helfen und jeder, der eine Suchtkrankheit im Kreis der Angehörigen kennt oder sie selbst durchmacht, weiß, wie viel Leid, aber auch Schuldgefühl und Scham hier entsteht und wie mühsam noch immer der Weg aus der Sucht heraus ist. Daraus ergibt sich auch die besondere Fürsorgepflicht des öffentlichen Arbeitgebers für seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und deren Familien.

Dabei führt der Genuss von Suchtmitteln nicht automatisch zu einer Sucht und auch eine Suchterkrankungen kann jahrelang relativ unentdeckt bleiben, solange sie nicht den Dienstbetrieb beeinträchtigt. Erst bei einer schuldhaften Pflichtverletzung kann es zu einer Trennung vom Beamten oder Angestellten kommen, aber dann ist die Katastrophe meist schon groß.

Allerdings haben bestimmte Bereiche des öffentlichen Dienstes auch eine besondere Vorbildfunktion und es ist gesellschaftlich nicht zu akzeptieren, wenn etwa Polizeibeamte oder Soldaten unter Alkohol- oder Drogeneinfluss ihren Dienst versehen. Um so wichtiger ist es, rechtzeitig zu handeln, frühzeitig aufzuklären, aber auch Hilfen anzubieten und nicht nach dem Motto zu verfahren: erst weggucken, dann feuern!

Wir brauchen stattdessen eine Kultur des Hinguckens auf Drogen- und Suchtprobleme und nicht das bagatellisieren oder tabuisieren. Die neue Bundesregierung hat auch ein Tabu gebrochen, weil die frühere Konzentration auf die Probleme des illegalen Drogenhandels und -konsums aufgegeben worden ist und legale Suchtmittel und ihre Risiken thematisiert werden und die Drogenbeauftragte der Bundesregierung folgerichtig nicht mehr ins Innenministerium, sondern ins Gesundheitsministerium eingebunden ist.

Warum tun wir das?

Mittlerweile wissen wir, dass fast 9 Mio. Menschen in Deutschland einen riskanten Alkoholkonsum betreiben mit erheblichen gesundheitlichen, aber auch sozialen Folgen. Über 1,6 Mio. Menschen sind behandlungsbedürftig alkoholabhängig, jährlich sterben über 40.000 Menschen in Deutschland an den Folgen ihrer Alkoholsucht, rund 180.000 werden nach offiziellen Daten wegen einer alkholbezogenen Erkrankung in Krankenhäusern behandelt, aus unseren Studien wissen wir, dass in Wirklichkeit jedes fünfte Bett ein “Suchtbett” ist. Jeder zehnte Patient in der ambulanten ärztlichen Behandlung hat Suchtprobleme. Rund 33.000 Verkehrsunfälle mit Personenschäden ereignen sich jährlich unter Alkoholeinfluss. Es werden fast 100.000 Straftaten mit gefährlicher und schwerer Körperverletzung unter Alkoholeinfluss begangenen und damit sind gerade Polizisten vor Ort oft als erste befasst.

Beim Tabakkonsum gibt es ebenfalls besorgniserregende Entwicklungen. Zwar geht seit die Raucherquote in der Bevölkerung seit den letzten Jahrzehnten zwar langsam, aber stetig zurück, jedoch steigt sie seit Mitte der 90er Jahre insbesondere bei Jugendlichen und hier vor allem bei Mädchen wieder an. Es gibt über 100.000 tabakbedingte Todesfälle pro Jahr, vor allem Krebs- und Herzkreislauf-Erkrankungen.

Deshalb tut die Bundesregierung hier auch etwas:

  • Am 1. Januar diesen Jahres ist das sogenannte “Apfelsaftgesetz” in Kraft getreten. Jeder Gastwirt muss jetzt ein alkoholfreies Getränk anbieten, das billiger ist als das günstigste alkoholhaltige Getränk. Diese Maßnahme hat insbesondere Einfluss auf das Verhalten von Jugendlichen, da diese über wenig Geld verfügen und in Kneipen und Diskotheken meist das billigste Getränk wählen.
  • Alkohol ist immer noch die Hauptursache für die hohe Zahl der Verkehrsunfälle. Deshalb wurde die Promillegrenze für das Fahren unter Alkoholeinfluss bereits im vergangenen Jahr von 0,8 auf 0,5 Promille gesenkt.
  • Im April 2002 hat das Kabinett eine Änderung der Arbeitsstättenverordnung beschlossen. Nach der Verabschiedung im Bundesrat kann die Verordnung sofort in Kraft treten. Jede Arbeitnehmerin und jeder Arbeitnehmer wird dann einen Anspruch auf einen rauchfreien Arbeitsplatz haben.
  • Die Tabaksteuer wurde zum 1. Januar 2002 erhöht. Diese Maßnahme dient auch der Senkung des Tabakkonsumes.
  • Die Verabschiedung der Novellierung des gesetzlichen Jugendschutzes, in der u.a. ein Abgabeverbot von Tabakwaren an Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren sowie eine Zugangserschwerung zu Zigarettenautomaten für diese Altersgruppe vorgesehen ist, ist noch in dieser Legislaturperiode vorgesehen.

Dass ich mich als “Drogenbeauftragte” überhaupt damit beschäftige, verunsichert die Tabak- und die Alkoholindustrie, die mich deshalb auch kürzlich als “Präventionsbeauftragte“ tituliert hat. Dagegen ist nichts einzuwenden, aber es bedeutet eben auch, die gesundheitlichen Risiken durch Alkohol- und Tabak entsprechend zu benennen und nicht zu verschweigen!

Wir müssen zum anderen die neuen Trends bei Jugendlichen wahrnehmen: wir beobachten, dass Teile von Jugendlichen insgesamt riskanter konsumieren und zwar sowohl Alkohol, wie illegale Drogen, vor allem Cannabis und Ecstasy und das oft in riskanten Mischungen. Die Zahl derjenigen, die in Beratungsstellen betreut werden, hat sich in den letzten Jahren verdoppelt.

Auch der riskante Umgang mit Medikamenten ist für mich ein wichtiges Thema, denn schon bei Kindern und Jugendlichen scheint sich in zunehmendem Maße ein lockerer Umgang z.B. mit Schmerzmitteln zu etablieren. Bei Berliner Schülern wurde registriert, dass jeder fünfte Zehntklässler regelmäßig Medikamente einnimmt, in besonders hohem Maße Analgetika, vor allem Kopfschmerztabletten {Kiss, A. (1997): Gesundheit und Gesundheitsverhalten von Jugendlichen in Berlin unter besonderer Berücksichtigung der Ergebnisse der Schulentlassungsuntersuchungen 1994/95; Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales}.

Der Konsum von Opiaten, hier vor allem Heroin, stagniert auf einem leider zu hohen Niveau, denn die gesundheitlichen und sozialen Folgen einer Heroinabhängigkeit sind gravierend. Auch wenn nur weniger als 1% der erwachsenen Bevölkerung Erfahrungen mit dem Konsum von Heroin hat, ist die gesundheitliche, psychische und soziale Verelendung in dieser Gruppe sehr stark. Jeder zweite der Heroinabhängigen befindet sich mittlerweile in einer Behandlung (jeweils rund 10.000 in ambulanten und stationären drogenfreien Behandlungsmaßnahmen und rund 50.000 in einer Substitutionsbehandlung hauptsächlich mit Methadon). Mit dem Modellprojekt einer heroingestützten Behandlung wollen wir die Gruppe der Schwerstabhängigen erreichen, denen mit den bisherigen Angeboten nicht geholfen werden konnte und mit der Herstellung von Rechtssicherheit für sog. Drogenkonsumräume, von denen es mittlerweile 20 in fünf Bundesländern gibt, wollen wir dazu beitragen, die Zahl der Drogentodesfälle weiter zu reduzieren, die im letzten Jahr glücklicherweise um 9,6% gesunken sind.

Die Drogen- und Suchtpolitik steht auf dabei auf den Säulen:

Prävention, Therapie , Überlebenshilfen, Repression und Angebotsreduzierung.

Der Prävention kommt hierbei die zentrale Bedeutung zu. Wobei wir heute wissen, Abschreckung und der erhobene Zeigefinger sind nicht die wirksamsten Maßnahmen. Stattdessen sind selbstbewusste und lebenstüchtige Kinder und Jugendliche, die auch mal nein sagen können, am besten geschützt. Wir brauchen aber eine langfristige Präventionsstrategie, in der die Lebensweise und Einstellungen, die Wertesysteme und die Perspektiven, aber ebenso die Ängste von Kindern und Jugendlichen berücksichtigt werden und als Kernstück eine Förderung und Stärkung von individuellen Handlungskompetenzen (der sog. life-skill-approach), sie eine Verbesserung der entwicklungsfördernden Umweltbedingungen, z.B. verlässliche, soziale Beziehungen, gesicherte ökonomische Bedingungen, altersadäquate Freiräume und Erfahrungsfelder, Aufmerksamkeit und Zuwendung und positive Vorbilder.

Prävention soll 1. positive Botschaften vermitteln, 2. interaktive Angebote machen mit aktiver Mitgestaltung, 3. Gleichaltrige mit einbeziehen und 4. die gesamte Kommune mit einbeziehen, also statt Informationskampagnen durchzuführen, die in der Mediengesellschaft verpuffen, alle Beteiligten an einen Tisch bringen und gemeinsame Aktivitäten festlegen, um Suchtprobleme offensiv anzugehen.

Darüber hinaus soll sich die Prävention an die besonders auffälligen oder risikobehafteten Gruppen richten, z.B.:

1. Kinder aus suchtkranken Familien sind eine besondere Risikogruppe, weil sie eine erhöhte Suchtgefährdung aufweisen;

2. jugendliche Aussiedler sind wegen ihrer oft nicht gelungenen Integration eine Gruppe, die ebenfalls in hohes Suchtrisiko hat;

3. Jugendliche in der „Partyszene und Technoszene“ fallen durch häufigen und heftigen Konsum auf.

Für diese Gruppen haben wir eigene Konzepte entwickelt, um sie besonders anzusprechen. Darüber hinaus haben wir ein Programm FRED (Frühintervention bei erstauffälligen Drogekonsumenten) gestartet, wo für junge Erstauffällige, die mit dem Betäubungsmittelrecht in Konflikt kamen, ein Beratungsangebot gemacht wird. In Kursen soll herausgefunden werden, warum nehme ich was und wie riskant ist mein Konsum. Hier zeigt sich, wie wichtig die Unterstützung der beteiligten Polizeibeamten ist, um die Jugendlichen für eine solche Maßnahme zu gewinnen.

Und wir sind schließlich dabei, Eckpunkte für einen umfassenden Aktionsplan Drogen und Sucht für das Kabinett vorzubereiten, um gemeinsam mit den Ländern, Verbänden und gesellschaftlichen Gruppen eine gemeinsam abgestimmte Strategie festzulegen, wie wir Suchtprobleme in unserer Gesellschaft in den nächsten Jahren angehen wollen und ihre gesundheitlichen und sozialen Schäden weiter reduzieren können.

Dazu benötige ich Ihr Engagement und Unterstützung und ich versichere Ihnen, mich für Ihre Belange weiterhin einzusetzen und mich darum zu kümmern, dass Ihre Bemühungen nicht im berühmten bürokratischen Mahlsand verschwinden.

Für Ihre Tagung wünsche ich Ihnen noch einen interessanten und spannenden Verlauf.

(Grußwort zur Jahrestagung der Bundesarbeitsgemeinschaft Sucht in der Polizei am 13. Mai 2002 in Freiburg)

Hans-Jürgen Honsa hat ein Buch über Mobbing und sexuelle Belästigung im öffentlichen Dienst verfasst

hansbuch(Artikel aus der Salzgitter Zeitung vom 10.01.2005 von Kerstin Loehr)

SALZGITTER. Mobbing ist mehr als ein Konflikt am Arbeitsplatz. Mobbing ist inszeniert. Es hat ein Ziel. Mobbing ist “Killer einer jeder Betriebskultur und zerstört bundesweit jährlich mindestens 2000 Menschenleben”, sagt Hans-Jürgen Honsa. Er ist seit 30 Jahren im Personalrat der Stadt Salzgitter und Lehrer im niedersächsischen Studieninstitut Braunschweig.

Diesem “Killer”, der im Berufsalltag immer übler sein Unwesen treibt, hat sich der Salzgitteraner an die Fersen geheftet: “Mobbing und sexuelle Belästigung im öffentlichen Dienst” heißt das 500 Seiten starke Werk, in dem Honsa, unterstützt von dem Flensburger Kollegen Ernst-Günther Paasch, Ursachen, Auswirkungen und Bekämpfungsstrategien aufzeigt.

Honsa, der bereits ein Buch über Alkohol- und Drogenmissbrauch im öffentlichen Dienst veröffentlicht hat, ist zwei Jahre lang in die Materie Mobbing eingetaucht.

“Es war ein Schock”

“Ich habe im Internet recherchiert und mit Betroffenen gesprochen”, blickt er zurück. “Für mich war es ein Schock zu sehen, wozu Menschen fähig sind. Und das gerade im öffentlichen Dienst oder in sozialen Einrichtungen – mehr als in Wirtschaftsunternehmen.” Bei Bundesbehörden gebe es zum Arbeitsplatzabbau Stellenpools, bei denen ein gewisser Mobbing-Faktor gar gewollt sei, berichtet er. Die Menschen, deren Mobbinggeschichte Honsa, wiedergibt, stammen aus ganz Deutschland. Auch aus Honsas Personalratspraxis – aus Salzgitter.

Ernst blickt der Autor über den Rand seiner Brille und erzählt. Vielfach müssten Opfer eine “dicke Wand des Misstrauens” abbauen, bevor sie ihre Geschichte offenbarten. Zu oft seien sie von vermeintlichen Vertrauten enttäuscht worden.

So wie Monika R.. Die junge Frau ist Zollbeamtin. Ihr Martyrium beginnt mit frauenfeindlichen Sprüchen eines Vorgesetzten, die sich zu sexueller Belästigung steigern. Ein Kollege lässt vor ihr die Hose runter, die anderen grölen. Der Druck steigt. Gerüchte werden gestreut. Die Frau wird krank – und versetzt. Sie kehrt zurück. Das Spiel geht weiter. Seilschaften brechen ihr beruflich das Genick. Mit 34 Jahren geht Monika R. in Zwangspension.

Mobbing hat viele Gesichter: Ein Soldat wird gehänselt und zum Onanieren gezwungen, eine Polizistin mit Handschellen gefesselt und an einen Garderobenhaken gehängt – sie sollte den “Frauenparkplatz” kennenlernen. Manuela B., Krankenschwester mit Leib und Seele, wird als “dienstgeil” verhämt, ihr werden Fehler angedichtet, bis sie irgendwann kündigt.

Tragisch der Fall von Uwe L. – Sozialarbeiter und Leiter einer Jugendfreizeitstätte in einer kreisfreien niedersächsischen Stadt. “Seine etwas längeren Haare, seine durch einen Auslandsaufenthalt geprägte unkonventionelle Art, stößt bei seinen eher bürokratisch geprägten Vorgesetzten nicht immer auf Gegenliebe”, schreibt Honsa. Uwe L. leidet an der Bechterewschen Krankheit. Er wird umgesetzt in ein anderes Amt. Statt Vorschusslorbeeren hagelt’s Gerüchte: Der Mann trinke.

“Er hat nie eine richtige Chance gehabt”, werden Kollegen später äußern. So steht es bei Honsa. Der Mann wird wieder versetzt, es geht ihm schlechter, gelegentlich greift er wirklich zur Flasche. Im Oktober 1999 findet ihn seine Familie im Auto: tot. Ein Schlauch hat die Auspuffgase ins Wageninnere geleitet.

“Oft werden Sündenböcke für eigenes Fehlverhalten gesucht – und im schwächsten Glied der Kette auch gefunden”, weiß Honsa über die Ursachen von Mobbing. “Unterlagen verschwinden, Dateien werden gelöscht, Arbeitsgeräte zerstört. Mobber sind kreativ”. Sogar Todesanzeigen für noch lebende Kollegen gehörten zum Repertoire.

Checklisten und Adressen

Personalräte hätten heute, so der Salzgitteraner, das Problem erkannt: “Auf Tagungen wird immer öfter über die Verwilderung der Sitten und die Rücksichtslosigkeit untereinander geklagt.” Man wisse, dass es sich bei den Tätern häufig um Personen mit einem schwach ausgeprägten Selbstwertgefühl handele, die einen autoritären Führungsstil bevorzugten. Die Opfer seien oft Exoten wie Künstler, Grafiker, Designer, Ingenieure, also nicht verwaltungsmäßig ausgebildetes Personal, das sich im bürokratischem Dickicht nicht zurechtfinde.

Honsa analysiert gründlich und anschaulich Ursachen und Auswirkungen von Mobbing, beschreibt die Symptome der Opfer – alles Stresssymptome wie Bluthochdruck, Angstzustände, Herzrhythmusstörungen oder Erbrechen – und stellt anhand von Gerichtsurteilen die Rechtslage dar. Hinzu kommen Checklisten verschiedener Mobbing-Forscher für Betroffene und Vorgesetzte sowie ein umfangreicher Anhang mit Adressen. Es ist kein Buch nur für Fachleute. Und es geht jeden an, denn “Mobbing mit seinen Krankschreibungen, Fehlzeiten, Kündigungen und Versetzungen kostet die deutsche Volkswirtschaft jährlich zwischen 80 und 90 Milliarden Euro”, sagt Honsa.

“Mobbing und sexuelle Belästigung im öffentlichen Dienst” – Ursachen – Auswirkungen – Bekämpfungsstrategien” von Honsa/Paasch ist erschienen im Erich Schmidt Verlag und kostet 59,80 Euro.